Mit Schimmel zum Welterfolg

Gerhard Kracher aus Illmitz führt das renommierteste Weingut Österreichs. Seine Süßweine haben Weltklasseniveau und sind in mehr als 40 Ländern erhältlich. In New York etwa ist Kracher in über 400 Restaurants vertreten. Wir plauderten mit dem “Süßweinpapst”.

Gerhard Kracher – seit vielen Jahren gilt Ihr Weingut als Top-Adresse in Sachen Süßwein. Was ist das Besondere an Ihren Trockenbeerauslesen?
Durch unser spezielles Mikroklima sind wir in der Lage, jedes Jahr hochwertigen Süßwein herzustellen. Unsere Lage mitten im Nationalpark am Neusiedlersee, insbesondere unsere vielen kleinen “Lacken” lassen eine enorme Feuchtigkeit entstehen. Dadurch bildet sich im Herbst Nebel in den Morgenstunden, was zur Bildung des Edelschimmelpilzes “Botrytis” führt. Dieser setzt sich auf die Beeren, zerstört die Schale und entzieht der Beere den Wasseranteil. Übrig bleibt der natürliche flüssige Zucker. Dieses besondere Klima herrscht nur an ganz wenigen Plätzen der Welt.

Kracher-770Süßwein wird oft immer noch als reiner Dessertwein behandelt. Passt dieser Hut auch heute noch?
Jein. Süßwein wird hauptsächlich zum Dessert gereicht. Es gibt aber noch viele andere Einsatzgebiete. Etwa scharfe Gerichte, wie Currys, alles mit Chilli, süß-sauer. Süßwein passt auch als Aperitif zur Gänseleber oder einfach nur zum Relaxen.

Ein weiteres klassisches Vorurteil: Hauptsächlich Frauen trinken Süßwein. Auch darüber kann ein Gerhard Kracher wohl nur die Nase rümpfen?
Dies ist ein Klischee, dass ich überhaupt nicht bestätigen kann. Unsere Kunden sind sowohl Männer als auch Frauen. Beide Geschlechter schätzen das Geschmackserlebnis, das nur der Süßwein in dieser Form bieten kann.

Wie genießt man Süßwein richtig?
Ich persönlich bevorzuge für junge Süßweine (alles, was jünger als zehn Jahre ist) das Weißweinglas, weil so die frischen Aromen besser zur Geltung kommen. Beim gereiften Süßwein greife ich gerne zum klassischen Süßweinglas von Riedl, weil dadurch die Sekundäraromen besser hervorkommen.

Gute Weine produzieren viele. Was aber macht das entscheidende Extra-Quäntchen zur Perfektion aus?
Wir arbeiten sehr genau im Weingarten, da kommt die Qualität her. Und da überlassen wir nichts dem Zufall. Ich denke, dass man an Naturprodukte mit sehr viel Gefühl und Intuition herangehen muss. Jeder Jahrgang ist neu, auf jeden muss man sich neu einstellen. Und natürlich Kompromiss-losigkeit. Wenn ein Wein nicht passt, wird er eben nicht gefüllt.

Der Süßwein bestimmt nur einen Teil Ihres Handelns. “Kracher” ist mittlerweile eine globale Marke am Gourmetsektor. Ist gutes Marketing heutzutage mindestens genauso wichtig wie ein perfektes Produkt?
In erster Linie muss das Produkt großartig sein. Bei einem mittelmäßigen Wein hilft das beste Marketing nichts.

Kracher-770x430-c-msfotoIn einem Interview meinten Sie, dass Sie bei neuen Produkten oft auch Fehlversuche wegstecken müssen. Gibt es Produkte, an denen Sie mit Ihren hohen Qualitätsansprüchen bisher gescheitert sind, die Sie aber unbedingt noch auf den Markt bringen wollen?    
Natürlich gibt es diese, aber solange die nicht wirklich ausgereift sind, erwähnen wir diese nicht. (lacht)

Sie wurden in den letzten Jahren des öfteren in unserer Stadt Linz gesehen. Gibt es dafür besondere Gründe?
Ich habe viele gute Freunde in Linz, die besuche ich natürlich gern. Es gibt hier auch sehr viele Weinliebhaber. Und mir gefällt Linz auch als Stadt, die Menschen sind sehr offen und freundlich.

Lange Zeit hieß es, die Stadt und die Menschen hier haben mit Weinkultur kaum etwas am Hut. Wie schneidet Linz diesbezüglich im Vergleich mit anderen Metropolen ab?
Persönlich fühle ich mich in Städten mit einer Größe von Linz viel wohler als in Metropolen. Die Weinkultur in Linz ist außergewöhnlich hoch. Wein hat hier einen hohen Stellenwert, es gibt viele Weinlokale und Restaurants mit sehr guten Weinkarten.

 

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