Wer ohne Zweifel war, werfe den ersten Bierbecher

Dass wir das noch erleben dürfen: Jetzt ist Österreich im Fußball endlich der “Malta-Klasse” verlustig gegangen. Wir sind – gefühlte hundert Jahre nach Cordoba 1978 – wieder jemand im Fußball! Selbst die größten Kritiker tun sich schwer, ihre klassischen Mäkel (“Maßlsieg”, “Gegner war bloßfüßig”) an den Mann zu bringen. Häme gegen die vielen ehemaligen Koller-Zweifler ist aber genauso unangebracht. Denn – samma uns ehrlich: Wer hätte bei Kollers Amtsantritt im November 2011 auch nur ein einziges Räppli auf eine erfolgreiche Arbeit des Schweizers gesetzt?

Marcel Kollers Erfolge waren bis zu seiner Bestellung als österreichischer Nationaltrainer – na sagen wir mal “überschaubar”: 2000 und 2003 holte er zwar den Schweizer Meistertitel, danach kam aber nicht mehr viel. 2004 stieg er mit dem FC Köln aus der ersten Bundesliga ab, danach folgten einige Jahre beim Allerweltsclub Bochum, wo er im September 2009 unfreiwillig verabschiedet wurde. Zwei Jahre später dann der für alle überraschende Einstieg als österreichischer Teamchef. Ergo: Man darf den damaligen Kritikern an Leo Windtners Personalentscheidung in Wirklichkeit nicht böse sein. Marcel Koller war vor vier Jahren alles andere als eine große Nummer im Trainergeschäft. Wer 2011 ohne Zweifel war, werfe den ersten Bierbecher.

Wir wären aber auch nicht Österreich, würden einige angesichts der aktuellen Erfolge nicht dem Größenwahn anheim fallen. Armin Wolf fragte in seiner ZIB2 am Tag nach dem Sieg gegen Schweden gar “Werden wir jetzt Europameister?”. Uff. Guter Mann – äh, Wolf: Freuen wir uns doch bitte erstmal über eine blitzblank gespielte EM-Quali. Ganz abgesehen davon: Die echten Fans lässt eine EM ohnehin eher kalt. Denn während die Sache in Frankreich mit erstmals 24 (statt 16) Teams eh ganz nett, aber halt nur eine EM ist, gilt speziell bei älteren, Cordoba-erprobten Fans nur eine WM-Teilnahme als wirklich harte Währung.

wilson holz

 

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